Kick-Off des Projekts „Nachhaltiges Management und Wiederverwendung von Abfällen mit natürlich vorkommenden radioaktiven Rückständen (NORM) aus der Titanindustrie in Vietnam“
Oktober 2023: Am 18. September 2023 veranstaltete das Institut für Kernwissenschaft und Technologie (INST) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Umweltwissenschaft, Ingenieurwesen und Management (IESEM) der Industrieuniversität Hồ-Chí-Minh-Stadt (IUH) das Auftakttreffen des Projekts „Nachhaltiges Management und Wiederverwendung von Abfällen mit radioaktiven Rückständen – natürlich vorkommendes radioaktives Material (NORM) aus der Titanindustrie in Vietnam“ (im Folgenden „RENO-TITAN“ genannt).
Im Herzen des Projekts stehen Schwerminerale – Mineralien mit einer deutlich höheren Dichte als Quarz. Sie machen weniger als ein Prozent einiger vietnamesischer Küstensande aus, jedoch sind sie von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Konzentrate aus Ilmenit und Rutil dienen als Ausgangsstoff für Titandioxid, das wichtigste Weißpigment, sowie für Titanmetall. Zirkon wird in der Keramik- und Feuerfestindustrie verwendet, während Monazit seltene Erdelemente liefert und Thorium enthält. Diese Rohstoffe ermöglichen zahlreiche Alltagsprodukte und Zukunftstechnologien – von Farben und Fliesen bis hin zu Windturbinen und Elektromotoren.
Es war das erste Treffen, bei dem Projektleiter, Teammitglieder, Partner und Stakeholder zusammenkamen, um ihre Kompetenzen vorzustellen, Erfahrungen und Informationen auszutauschen sowie die wichtigsten Themen und Aktivitäten des Projekts zu diskutieren. Etwa 20 Teilnehmende aus Vietnam und sechs Beteiligte aus Deutschland nahmen an diesem ersten Treffen teil.
Zu den vietnamesischen Teilnehmenden gehörten Vertreter von IESEM, INST, dem Vietnam Atomic Energy Institute (VINATOM), der Vietnam Agency for Radiation and Nuclear Safety (VARANS), dem Institute for Technology of Radioactive and Rare Elements (ITRRE), der LAI CHAU - VIMICO Rare Earth Joint Stock Company (LAVRECO), der Viet Thinh Mineral Processing Joint Stock Company sowie dem National Institute of Mining - Metallurgy Science and Technology (VIMLUKI).
Vietnam gilt als eines der wenigen Länder weltweit mit großen Titanvorkommen. Diese Ressourcen bieten Potenziale für Gewinnung, Verarbeitung und Export im industriellen Maßstab. Auch in Vietnam stellen NORM-Rückstände während des Titanabbaus ein zentrales Problem dar und erfordern einen sorgfältigen Umgang. Es ist zu beachten, dass hauptsächlich Radionuklide der natürlichen Zerfallsreihen von 238U und 232Th freigesetzt werden. NORM-Rückstände können, wenn sie nicht eingehend behandelt und überwacht werden, zu unkontrollierter Umweltverschmutzung führen. Das Management von NORM-Abfällen ist in Vietnam noch relativ neu – nationale Richtlinien und Regelwerke sind bislang noch unzureichend ausgearbeitet. Vietnamesische Wissenschaftler verfügen noch über begrenzte technische Kenntnisse und praktische Erfahrungen, insbesondere bei der Bewertung aktueller und zukünftiger Auswirkungen von NORM-Rückständen im eigentlichen Bergbau und insbesondere in der weiterverarbeitenden Titanindustrie.
In jüngster Zeit haben Regierung und Ministerien die Notwendigkeit und Dringlichkeit eines sicheren Umgangs mit NORM erkannt. Am 25. Mai 2023 erließ das Ministerium für Wissenschaft und Technologie (MOST) schließlich das Rundschreiben Nr. 08/2023/TT-BKHCN zur nationalen technischen Regelung von NORM-Rückständen.
Für eine nachhaltige Entwicklung der Titanindustrie – unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Effizienz und ökologischer Sicherheit – ist es erforderlich, den Status quo zu untersuchen und zu bewerten. Gleichzeitig müssen Forschung und Entwicklung von Technologien und Sicherheitsmethoden – besonders im Bereich des Arbeits- und Gesundheitsschutzes – vorangetrieben werden. All das, kann wesentlich zur Ressourcenschonung und zur Reduzierung von NORM-Abfällen beitragen. Es besteht also ein klarer Bedarf an Zusammenarbeit und Austausch mit erfahrenen Partnern auf nationaler und internationaler Ebene.
Vor diesem Hintergrund entwickelten vietnamesische Partner (IESEM, INST, Institut für öffentliche Gesundheit Hồ-Chí-Minh-Stadt) gemeinsam mit deutschen Partnern einen Projektvorschlag für RENO-TITAN. Ein Protokoll mit dem Titel „Nachhaltiges Management und Wiederverwendung von Abfällen mit radioaktiven Rückständen – natürlich vorkommendes radioaktives Material (NORM) aus der Titanindustrie in Vietnam“ wurde vom MOST genehmigt. Ziel des Protokolls ist es, Methoden sowie eine wissenschaftlich-technische Grundlage für das nachhaltige Management, die Behandlung und die Wiederverwendung von NORM-Abfällen in der vietnamesischen Titanindustrie bereitzustellen. Die Projektmitglieder untersuchen und bestimmen mechanische, physikalische, chemische und radiologische Eigenschaften von Produkten und Abfällen und bewerten Risiken sowie Umweltauswirkungen entlang des gesamten Zyklus von Abbau und Verarbeitung von Titanerzen in der Provinz Bình Thuận. Darüber hinaus werden geeignete Technologien und Verfahren zur Behandlung, Nutzung und Entsorgung von NORM-Abfällen erforscht und Empfehlungen ausgearbeitet.
Das INST ist eine von drei vietnamesischen Organisationen, die an diesem Protokoll mitwirkten. Es verfügt über Erfahrung und Kompetenz in der Forschung und Untersuchung radioaktiver und nicht-radioaktiver Umgebungen. Die Teilnahme am Projekt bietet den Forschenden eine wertvolle Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch mit Partnern aus Vietnam und Deutschland in den Bereichen Bewertung, Management, Behandlung und Wiederverwendung von NORM-Abfällen.
Während des Treffens wurden drei Fachvorträge von Experten aus Deutschland und Vietnam gehalten. Frau Petra Schneider von der Hochschule Magdeburg-Stendal stellte das Projekt RENO-TITAN sowie wissenschaftliche Ergebnisse der Hochschule vor. Herr Christian Kunze von der IAF Radioökologie präsentierte einen Bericht über NORM in Baustoffen. Anschließend gab Herr Vuong Thu Bac vom INST einen Überblick über die Forschungs- und Entwicklungsfelder des Instituts sowie über die Projektaktivitäten, an denen das INST beteiligt ist. Die Teilnehmenden führten angeregte Diskussionen und brachten zahlreiche hilfreiche Beiträge ein. Zudem besuchten alle Teilnehmer die Labore für Umweltstrahlungsüberwachung und Isotopenhydrologie des INST.
Das erfolgreiche Treffen fand am Hauptsitz des INST statt. Die deutschen Experten würdigten die Ausstattung, die technischen Fähigkeiten, das Engagement sowie die Leistungen der vietnamesischen Wissenschaftler und äußerten die Hoffnung auf eine baldige Umsetzung des Projekts sowie eine effektive Zusammenarbeit in naher Zukunft.
Zum Abschluss des Treffens sprach Herr Pham Duc Khue, Direktor des INST, im Namen des Instituts seinen Dank und seine besten Wünsche an alle teilnehmenden Experten, Delegierten und Kolleginnen und Kollegen aus.



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